Methode des Hellseheens

Methode des Hellseheens Zukunftsbefragungen und Weissagungen wollen den Eindruck schinden, es gäbe ein Schicksal, dem wir nicht entgehen, aller höchstens aber vorhersehen können. Der Eindruck „verblüffender Übereinstimmungen“ ist ein wesentlicher Grundstein für den kommerziellen Erfolg der Wahrsagerzukunft. Doch wie bei jeder vermeintlichen Zauberei gibt es auch hier ganz einfache Tricks.

Barnum-Effekt

Es gibt Aussagen, die immer stimmen. Sie folgen einer inneren Logik, die auf jede Lebenssituation anwendbar ist. Zum Beispiel: „Wenn Sie Ihre ganze Energie einsetzen, werden Sie Erfolg haben.“ In der Kommunikationspsychologie gibt es dafür den Begriff Barnum-Effekt. P.T. Barnum war der Gründer eines „Museums für jeden Geschmack“.

Der Begriff Barnum-Effekt wurde nach einem Experiment des Psychologen Bertram R. Forer geprägt. Er bat Studenten, bestimmte Aussagen zu lesen und zu entscheiden, was für sie persönlich zutreffend sei. Auf einer Skala von 1 bis 5 lag der Durchschnittswert über 4. Die Aussagen stammten allesamt aus Horoskopen von Tageszeitungen. Dabei spielte es keine Rolle, ob der Geburtstag mit der jeweiligen Sternenkonstellation übereinstimmte. Das Ergebnis des Experiment hieß schlicht: Alles traf auf jeden zu.
Das Experiment wurde noch mehrfach wiederholt und endete immer mit demselben Ergebnis. Als Ursache gilt eben jenes Formulierungsprinzip des „von allem etwas“. So findet jeder Mensch in jeder beliebigen Wahrsager-Prophezeiung Dinge, die er für persönlich zutreffend hält.

Relativierungen

Im persönlichen (Telefon-) Gespräch versuchen Berater sich an Barnum-Aussagen zu halten. Ab und an wagen Sie sich dennoch zu einer scheinbar sehr greifbaren Voraussage vor. Also eine Prognose, die so klar ausgesprochen ist, dass sie sich entweder bestätigen oder nicht bestätigen kann. Etwa die Wahrsagung: „Eine räumliche Veränderung steht bevor.“ Spontan würde wohl jeder meinen, dass hier der nächste Umzug gemeint ist. Wenn aber im angegebenen Zeitraum nichts dergleichen geschehen ist, greifen Wahrsager gern zu Relativierungen, fragen nach und siehe da, einmal ist ein Schrank von einer Ecke in die andere gestellt worden und schon hat sich die Prognose bestätigt.

Verwendung von psychologischem Wissen bzw. allgemeiner Erfahrung

Manche Behauptungen von Wahrsagern klingen gewagt, sind es aber gar nicht, wenn man über ein wenig Menschenkenntnis verfügt. So brauchen etwa Menschen, die eine langjährige Beziehung beendet haben, in der Regel eine bestimmte Zeitspanne, um die Trennung emotional zu realisieren. Das weiß eigentlich jeder, und deshalb bedarf es auch keiner großen Hellseherei, um zu der Prognose zu kommen: „Eine Zeit des Alleinseins und der Trauer steht dir bevor. Doch spätestens in drei Jahren ist sie beendet. Ich kann den neuen Partner bereits sehen.“ Biografische Prozesse, so unterschiedlich sie auch im Konkreten sind, folgen bestimmten Wahrscheinlichkeitsregeln. Es ist relativ einfach, aus solchen statistischen Tatsachen eine Wahrsagung zu generieren, die sich dann auf ach so verblüffende Weise bestätigt. Und wenn sie es nicht tut, ist der Ruf des Wahrsagers auch nicht in Gefahr, dank des folgenden Phänomens.

Confirmation Bias

In der Regel erinnern sich abergläubische Menschen nur an die Prognosen, die eingetroffen sind. Alles, was nicht eintraf, wird vergessen. Dies folgt einem einfachen Gesetz der Gedächtnispsychologie: Dinge, die sich bestätigen, setzen sich mit hoher Wahrscheinlichkeit im Gedächtnis fest, während alle Behauptungen, die unbestätigt bleiben, automatisch in den „inneren Papierkorb“ verschoben werden. Ein Prozess, der im Unterbewusstsein abläuft, also gar nicht wahrgenommen wird. Und der so zuverlässig ist, dass sogenannte Wahrsager ihre ganze Zunft darauf aufbauen können. Oder, wie es der italienische Politiker und Schriftsteller Ignazio Silone so schön sagte:
„Der Ruhm vieler Propheten beruht auf dem schlechten Gedächtnis ihrer Zuhörer.“

Verwendung persönlicher Angaben

Ein Trick, um „verblüffende“ Wahrsagungen zu erzeugen, rührt auch aus der aufmerksamen Wahrnehmung mancher „Lebenswegexperten“. So können die Klienten scheinbar unwichtige Details erwähnen, und ohne es zu wissen, Hinweise auf die eigene Lebenssituation liefern. Etwa, wenn jemand sagt: „Ich hatte gerade etwas Zeit und wollte mal anrufen“, kann der Wahrsager mit der hellseherischen Feststellung verblüffen: „In deinem Leben rast du von einem Termin zum nächsten.“

Ankündigungen, die abhängig machen

Nach dem Prinzip des Barnum-Effektes „von jedem etwas“ verteilen die Wahrsager meist positive und negative Zukunftsaussichten zugleich. So wird Hoffnung genährt, aber gleichzeitig Zweifel und Angst offen gelassen. Ratsuchende erleben eine Art seelisches Lottospiel: Mal kommt das Versprechen, das man sich am meisten gewünscht hat, mal kommt es nicht. So wird das Verlangen, immer wieder aufs Neue anzurufen, immer größer. Hinzu kommen aber auch Hinweise der „Hellseher“ selbst, etwa indem sie behaupten, bestimmte Dinge seien noch nicht und erst in einem Monat wirklich klar zu sehen. Im Prinzip ein einfacher Trick der Kundenbindung.

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